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Kabel

Wie wichtig sind sie wirklich?

Kabel sind sehr wichtig und haben definitiv einen Einfluss auf den Klang, aber nicht einen so grossen wie uns manche Hersteller und Händler glauben machen wollen. Es ist reines Marketing und nur von betriebswirtschaftlichem Interesse wenn behauptet wird, man solle 30% des Kaufpreises der Highend HiFi Anlage in Kabel „investieren“ wobei dies wohl eher eine Ausgabe als eine Investition darstellt…demnach soll man also bei einer Komplettanlage von 20’000.- etwa 6000.- in Kabel ausgeben? Ich behaupte ein gutes und aufwändig gemachtes Lautsprecherkabel darf nicht mehr als CHF 1500.- pro Paar kosten. Bei einem Satz 1m RCA Kabel setze ich die Obergrenze auf 800.-. Wenn man berücksichtigt was wirklich Einfluss darauf hat dass 100% bei den Lautsprechern ankommt, dann sollte das heutzutage mit diesen Beträgen (Gewinn einkalkuliert) machbar sein. Es kommen ja sowieso alle Halbzeuge von China. Die Spezialdrähte für meine Sonic Master beziehe ich übrigens auch in China! Alle Kabelhersteller die ihr Handwerk im Griff haben sind leider in China ansässig.

Ich habe mir schon mehrfach die Mühe gemacht Kabel zu testen. Aber genau da wimmelt es nur so von Fehlerquellen. Die grösste sind wir selber. Oder haben Sie schon mal versucht den Unterschied zweier Lautsprecherkabel herauszuhören? Das geht eigentlich nur wenn Sie alles so anschliessen können dass Sie per Fernbedienung auf Knopfdruck umschalten können von Kabel A zu Kabel B und umgekehrt. Denn alles andere funktioniert nicht. Wir haben eine sehr schlechte Fähigkeit uns Töne einzuprägen und eine sehr gute uns einzubilden dass es jetzt besser töne. Ich habe es mehrfach versucht und es ist frustrierend.

Das einzige was bei mir funktioniert hat ist das Umstellen auf Knopfdruck, da hört man es gut. Oder wenn man längere Zeit immer dieselben Musikstücke gehört hat und dann ein anderes Lautsprecherkabel montiert und sich Teststücke zum ersten Mal so anhört, dann fällt es einem sofort auf wenn ein Kabel besser ist. Das ganz grosse Problem ist dass man den Klang nicht messen kann! Wir müssen es uns anhören und sind gewissermassen das Messinstrument, aber eines kann ich sagen, wir sind das wohl ungenauste, fehlerhafteste und unzuverlässigste Messgerät das es gibt!

Und genau das macht das Testen so schwierig und sollte einem bei Aussagen gewisser Leute über gewisse Produkte sehr sehr vorsichtig werden lassen. Das Placebo Prinzip oder „der Beobachter beeinflusst das Experiment“ hat hier einen massiven Einfluss darauf wie wir den „Kabelklang“ beurteilen. Es ist manchmal zum verrückt werden, aber alles was wir auf die beschriebene Weise durch subjektives Beurteilen zu wissen glauben, ist sehr oft alles andere als die Wahrheit.

Kabelklang und Co?

Ich sage es gleich vorne weg: ein Kabel hat keinen Klang. Wer davon redet welches Kabel besser Klinge redet Müll. Die Lautsprecher klingen mit Kabel A oder Kabel B besser, aber nicht das Kabel selber! Ein Kabel kann unter keinen Umständen dem was der Verstärker liefert irgend etwas hinzufügen, ansonsten wäre es ein Perpetuum Mobile oder eine Raumenergie Maschine (die es in der etablierten Wissenschaft bekanntlich nicht gibt). Ein Kabel kann im komplexen Wechselfeld um und zwischen den beiden Leiter die zu einem Lautsprecher führen etwas dämpfen oder auslöschen. Wenn ein Kabel heller tönt dann liegt das nicht am Silber des Leiters, sondern weil tiefe Frequenzen gedämpft werden und somit die Höhen dominanter sind. Es tönt dann heller. Das liegt aber nicht am Silber sondern an der Kabel Geometrie und der Art der Leiter (Litze, Geflecht, Isolator, Umhüllung, Übergangswiderstände).

Frage an Ihren Intellekt (sofern vorhanden): Was für einen Sinn macht es, ein Kabel aus dem besten Leiter für elektrischen Strom herzustellen den es gibt – das so viel kostet wie ein hochpreisiges Auto – wenn das Kabel selber an jedem Ende zwei erhebliche Übergangswiderstände hat welche alles wieder zunichte machen? Daher ist das Sonic Master Ultra Low Impedance Kabel aus einem einzigen Stück Metall gefertigt!

Das Problem das wir bei HiFi Kabeln haben ist dass es sich um einen Wechselstrom handelt der zwischen Verstärker und Lautsprecher hin und her Oszilliert mit bis zu 20’000Hz. Das macht das Ganze etwas „tricky“. Wir bauen uns ohne dass wir es wollen mit den Lautsprecherkabeln und Isolatoren darum Kapazitäten und Induktivitäten wie bei einer Frequenzweiche! Diese sind zwar bei einem 2-3m Kabel sehr gering, können aber je nach System einen durchaus hörbaren negativen Einfluss haben.

Lautsprecherkabel Hintergrundwissen

Wir alle kennen die wichtigsten Eckdaten eines elektrischen Leiters – diese haben auch Gültigkeit für Lautsprecherkabel. Das wären der Querschnitt in mm², das Material und die Länge. Diese drei bestimmen den Widerstand, aus meiner Sicht der wichtigste Faktor aller Eckdaten. Wenn das Material hochwertiges Kupfer ist und idealerweise 4-6mm² an Querschnitt hat, ist es völlig egal ob es sich um reines Kupfer OFC handelt oder um noch reineres. Es hat auf den Klang schlicht keinen Einfluss mehr, da der Strom auch so völlig freie Bahn hat. Man beachte auch, dass im Regelbetrieb kaum grössere Leistungen als 1-5W durch das Kabel müssen! Es sind alleine die Spitzenströme wenn in einem Stück einer Vollgas das Schlagzeug bearbeitet und gleichzeitig ein anderer den Bass bis unter 40Hz quält wo kurzzeitig sehr hohe Ströme von mehreren Ampere bis in den Zweistelligen Bereich fliessen können.

Wichtig sind alle oben genannten Punkte da sind sich eigentlich die meisten einig. Wo sich die Meinungen trennen ist teilweise beim Material der Leiter (einige schwören auf Silber oder Langkorn-Kupfer mit weniger Korngrenzen) und natürlich beim Aufbau des Kabels (Geometrie, Anordnung, Material des Isolators, etc). Dann gibt es noch jene welche die Leiter bei Vollmond über dem offenen Feuer Weichglühen und anschliessend mit Schlangenöl einreiben damit’s besonders geschmeidig klingt! Ich frage mich dann was schlimmer ist, die welche das machen oder die das glauben!

Wer sagt dass man ein Kabel „einspielen“ muss ist ein reiner Verkäufer und hat von Technik keine Ahnung. Ich sage das so klar, weil ich es immer wieder höre.

So gesehen bringen Leiter aus einem anderen Material als Kupfer absolut keinen Vorteil (ausser für den Verkäufer)! Es ist aber auch nicht korrekt wenn einer sagt dass es egal ist welches Kabel man verwendet. Nein es ist nicht egal und ein Lautsprecherkabel hat einen Einfluss, wenn auch einen kleinen, auf die Klangqualität!

Was jedoch am wichtigsten ist hat kaum einer auf dem Radar: Mikrofonie oder korrekter ausgedrückt Elektromagnetische Kopplung (induktive und kapazitive Übersprecheffekte). Innerhalb des Kabels selber bei Litzen und von Kabel zu Kabel. Auch die Induktivität und Kapazität spielen eine kleine Rolle. Werden zwei Leiter in 15mm Abstand gehalten hat dieses Kabel eine höhere Induktivität und geringere Kapazität als wenn dieselben Leiter ganz beisammen liegen. Im ersteren Fall kann es sein dass sehr hohe Frequenzen leicht gedämpft werden (Tiefpass).*

Folgende Punkte sind also wichtig:

  • Hochwertiges reines OFC Kupfer
  • 4-6mm² Querschnitt, möglichst homogen, glatte Aussenfläche
  • Nur so lange wie nötig, in vielen Fällen reichen 2m völlig
  • Der Isolator, idealerweise PTFE (Teflon)
  • Die Anordnung der Leiter zueinander (Geometrie)
  • Die Übergange von Leiter zu Stecker (Idealfall: keine Stecker!)

Es gibt nur eine Art Kabel welche alle diese Punkte sehr gut erfüllt und das perfekte Kabel zum Übertragen eines Wechselstromes darstellt: ein Massivleiter aus Kupfer mit hochwertiger Isolation bei dem die Enden zu einem U gebogen und leicht flachgedrückt sind (Kaltverfestigt). Einziger Nachteil eines solchen Kabels ist die schlechte Flexibilität. Dies ist jedoch eher zweitrangig, oder tauschen Sie jeden Monat Ihre Lautsprecherkabel?

*Technisches Hintergrundwissen Tiefpass / Hochpass

Die Lautsprecherkabel können im Extremfall als Hochpass/Tiefpass wirken. Dies weil jeder Kupferdraht eine Induktivität und jeder Isolator zwischen zwei Drähten eine Kapazität hat. Man kann sowohl mit Spulen wie auch mit Kondensatoren und Widerständen jeweils einen Hochpass oder einen Tiefpass bauen, je nachdem wie sie zusammengeschaltet werden. Die Thematik ist komplex. In unserem Fall geht es um Lautsprecherkabel. Da bewirkt die Induktivität eher eine Tiefpass- und die Kapazität eher eine Hochpass-Wirkung. Ich möchte betonen dass der Effekt wirklich kaum messbar, aber bei ganz sensiblen und Wirkungsgrad starken System durchaus hörbar ist!

Zwischen Verstärker und Lautsprecher fließt ein Wechselstrom. Jedes Kabel wirkt dabei wie ein kleiner elektrischer Filter:

  • Induktivität im Kabel bremst hohe Frequenzen (wie ein Tiefpass). Daher ist eine geringe Induktivität wichtig!
  • Kapazität zwischen Plus und Minus erleichtert es hohen Frequenzen, schnell hin- und herzuschwingen (wie ein Hochpass).

Wenn die beiden Leiter eng beieinander liegen und verdrillt sind, ist die Induktivität sehr klein und die Kapazität etwas größer.
Das heißt: Die Höhen werden weniger gebremst – der Klang bleibt klar und offen. Es ist besser wenn das Kabel eine hohe Kapazität und eine geringe Induktivität hat als umgekehrt! Zudem kommt der Effekt der Kapazität erst deutlich über 20kHz und bei sehr langen Kabeln zum tragen (hohe Frequenzen werden von Kabel zu Kabel durch das C übertragen)!

Frequenzverlauf in Abhängigkeit von Induktivität und Kapazität bei Lautsprecherkabeln.
In dieser Grafik sehen Sie zwei Anordnungen am Markt üblicher Lautsprecherkabel. Wobei aus gutem Grund die Variante „orange“ mit Abstand die am weitesten verbreitete ist! Es geht hier vor allem um den Einfluss der Induktivität.

Erklärung zur Grafik:

  • Blau (weit auseinander) → leichte Höhenabsenkung schon im hörbaren Bereich ab ca. 15kHz. Tiefpass-Effekt.
  • Orange (eng + verdrillt) → nahezu verlustfreie Übertragung bis weit über den Hörbereich hinaus. Hochpass-Effekt.

Das Bild macht einem sofort klar, warum enge, verdrillte Leiter den klareren, transparenteren und je nach Lautsprecher System auch den räumlicheren Hochton bringen.

Findige Beobachter werden jetzt sagen: aber ich will doch auch die tiefen Frequenzen nicht gedämpft haben! Das Problem ist das wir nicht beides haben können, einen maximalen Tiefpass UND einen maximalen Hochpass. Das liegt an den Leitern im Wechselfeld gepaart mit dem Isolator. Aus der Sicht des Highend HiFi ist es definitiv besser, wenn wir tendenziell eher einen Hochpass haben zwischen Verstärker und Lautsprecher! Sind die Höhen nur minimal bedämpft kann das schon deutlich hörbare Auswirkungen haben. Bei den Tiefen Frequenzen schadet etwas Dämpfung nicht. Meiner Erfahrung nach haben moderne Lautsprecher sowieso immer etwas zu viel an Bass.

In der Praxis ist es nicht so, dass eine hohe Kapazität im Lautsprecherkabel die Höhen einfach „durch das Kabel hindurch beschleunigt“, wie bei einem Hochpass, und dann am Lautsprecher ankommt.

Das „Erleichtern“ der hohen Frequenzen durch Kapazität gilt nur für den Stromfluss zwischen den Leitern – und das ist hier nicht gewollt, denn dieser Querstrom fließt am Lautsprecher vorbei.


Was wirklich passiert, wenn die Kapazität größer wird:

  • Die Kapazität ist im Kabel parallel zum Lautsprecher geschaltet.
  • Bei hohen Frequenzen kann über diese Kapazität ein kleiner Teil des Signals direkt vom Plus- zum Minusleiter zurückfließen, ohne den Lautsprecher zu durchlaufen.
  • Das bedeutet: Extrem hohe Frequenzen (weit über Hörbereich) werden tatsächlich „kurzgeschlossen“.
  • Innerhalb des Hörbereichs (bis 20 kHz) ist der Effekt bei normalen Kabeln aber minimal, weil die Kapazität sehr klein ist (typisch <200 pF/m).

Warum trotzdem enge, verdrillte Leiter oft besser klingen:

  • Der entscheidende Vorteil kommt nicht von der größeren Kapazität, sondern von der kleineren Induktivität.
  • Weniger Induktivität heißt: Höhen werden weniger gebremst → direktere, klarere Wiedergabe.
  • Die größere Kapazität ist dabei eher ein Nebeneffekt und in normalen Längen nicht schädlich – sie wird erst bei sehr langen Kabeln oder extrem kapazitiven Konstruktionen zum Problem.

💡 Kurz gesagt:

  • Kleine Induktivität = gut für Höhen → eng zusammenliegende, verdrillte Leiter helfen hier.
  • Größere Kapazität ist im Audiobereich meist unkritisch, solange sie moderat bleibt. Dies weil der negative Effekt erst bei Frequenzen deutlich über 20kHz auftritt!
  • Der Vorteil liegt also primär an der geringen Induktivität, diese muss möglichst tief sein. Etwas Kapazität hat es immer, aber sie schadet weniger alls Induktivität bei Lautsprecherkabeln!

Esoterik und Guru Denken haben in der Highend Branche absolut nichts verloren!

Markus Liechti – Highendsolutions